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KI ist wie eine IKEA-Küche: Die Teile sind da, aber geflucht wird beim Aufbau

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Wer heute durch soziale Netzwerke und Kommentarspalten streift, stößt früher oder später auf einen Begriff, der zuverlässig Verachtung, Müdigkeit und ein wenig digitale Überheblichkeit bündelt: „AI Slop“.  Gemeint ist damit jener Strom aus Texten, Bildern, Stimmen, Songs, Videos und Präsentationen, bei dem man nach wenigen Sekunden denkt: Ja, natürlich. Das hat wieder eine Maschine erledigt. Nicht immer falsch. Nicht immer schlecht. Manchmal sogar brauchbar. Aber oft eben erkennbar generisch, glattgebügelt und standardisiert.  Und genau deshalb kam mir ein Vergleich in den Sinn: Die Nutzung von KI ist wie ein Produkt von IKEA.   Zunächst klingt das wie ein Satz von einer schlechten Digital-Konferenz, kurz bevor jemand „Transformation“, „Mindset“ und „Use Case“ sagt. Aber je länger man darüber nachdenkt, desto passender wird die Analogie. Denn wie IKEA ist auch KI längst Teil des Alltags. Viele nutzen sie. Viele erkennen sie. Viele lästern über sie. Und sehr viele profitie...

Morbus AI: Was die Gehirnforschung uns über strategische IT-Architektur lehrt

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Eine aktuelle Umfrage der WirtschaftsWoche deckt ein unbequemes Paradoxon unserer Branche auf: Knapp die Hälfte der Nutzer verwendet Künstliche Intelligenz im Job aus schlichter Denkfaulheit. Wir erleben derzeit eine beispiellose Explosion der Produktivität in der Softwareentwicklung. Code wird in Sekundenbruchteilen generiert und Schnittstellen automatisiert hochgezogen. Doch dieser scheinbare Effizienzgewinn birgt ein massives strategisches Risiko für Unternehmen: Generative KI demokratisiert die Ausführung ( fast jeder Mitarbeiter, unabhängig von seiner Erfahrung, ist nun in der Lage, lauffähigen Code zu erzeugen und komplexe technische Aufgaben zu erledigen), aber sie demokratisiert nicht das architektonische Verständnis. Langfristig erodiert das technologische Fundament, wenn das tiefe Systemverständnis der Entwickler verloren geht. Die Illusion des mühelosen Wissens Der US-amerikanische Astronom und Internetpionier Clifford Stoll warnte bereits zur Jahrtausendwende in seinem Buc...

Begeisterung garantiert, Governance leider nicht: Was durch Vibe Coding auf Unternehmen zukommt

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Früher brauchte man für neue Unternehmenssoftware ein Projekt, ein Budget und Geduld. Heute reichen manchmal ein guter Prompt, ein freier Abend und ein Fachbereich, der sagt: „Sieht doch schon fast fertig aus.“ Genau darin liegt die eigentliche Veränderung. Das Grundproblem ist nicht neu: Mitarbeiter konnten schon immer Software entwickeln, privat entstandene Lösungen mitbringen oder Fremdsoftware einkaufen. Neu ist durch Vibe Coding nicht die Existenz des Problems, sondern seine Dynamik, weil generative KI die Hürde zwischen Idee, Prototyp und nutzbarer Anwendung massiv senkt. Dadurch wird aus einzelnen Sonderfällen ein dauerhafter Zufluss von Software aus sehr unterschiedlichen Quellen. Viele Unternehmen steuern Software aber noch immer so, als entstünde sie langsam, sichtbar und fast nur in formalen Projektstrukturen, obwohl KI‑gestützte Entwicklung in der Praxis oft schneller wächst als Governance und Transparenz. Genau deshalb sollte man Vibe Coding nicht als einheitliches Phänome...

Wenn KI Antworten liefert, müssen wir lernen, besser zu fragen

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In der Schule fragen Schüler: „Kommt das in der Prüfung dran?“ und Mitarbeiter sitzen im Meeting und fragen: „Wer muss das freigeben?“ Zwischen diesen beiden Sätzen liegen vielleicht zehn Jahre. Das Problem dabei: Es ist oft dasselbe. Wir bilden noch immer Menschen für eine Welt aus, in der die richtige Antwort wichtiger ist als die richtige Frage. Und wir bauen noch immer Unternehmen, in denen Anpassung an Prozesse oft höher bewertet wird als Urteilsfähigkeit. Genau das wird uns in der KI-Ära auf die Füße fallen. Wir diskutieren über Künstliche Intelligenz meist so, als ginge es vor allem um neue Tools, neue Berufe und neue Effizienzpotenziale. Das greift zu kurz. KI verändert nicht nur Arbeit, sondern auch die viel grundlegendere Frage, wie Menschen künftig überhaupt lernen sollen. In der Schule, im Studium, in der Ausbildung und später im Unternehmen. Warum das alte Lernmodell an Grenzen stößt Denn ein Bildungssystem, das stark auf Frontalunterricht, Reproduktion und das möglichst f...

Wenn Roboter einziehen, müssen wir entscheiden, wer wir sein wollen

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Morgens beginnt die technologische Zeitenwende mit einem leisen Surren. Mein Staubsaugerroboter zieht bereits seine Bahnen durch die Wohnung, während mich ein smarter Lautsprecher weckt und mir meine Termine vorliest. Noch vor dem ersten Heißgetränk haben zwei Systeme damit begonnen, meinen Tag zu organisieren. Das wirkt harmlos. Fast sympathisch. Aber genau darin liegt die eigentliche Pointe: Große Umbrüche betreten unser Leben selten als Revolution. Meist kommen sie als Komfortfunktion. Was heute als digitale Bequemlichkeit erscheint, ist der Vorbote einer viel tieferen Verschiebung. Erst übernehmen Systeme kleine, klar abgegrenzte Aufgaben. Dann ganze Routinen. Dann Arbeitsbündel. Und irgendwann nicht mehr nur digitale Tätigkeiten, sondern auch physische. Die Frage ist also nicht, ob wir mehr delegieren werden. Die Frage ist, was von uns übrig bleibt, wenn Delegation zum Standard wird. The $15 billion bet: How subscription models could bring humanoids home by 2030: https://www.rdwo...